Die Humoralmedizin ist die Lehre der vier Säfte Phlegma, Sanguis, Gelbgalle und Schwarzgalle, die jeweils einem der vier Urtemperamenten zugeordnet sind (Phlegmatiker, Sanguiniker, Choleriker und Melancholiker). Diese Säfte symbolisieren Wirkprinzipien im Organismus und sind für alle energetische und regulatorische Funktionen im Körper zuständig. Jeder Mensch verfügt über eine angeborene Säftemischung. Diese sogenannte Wohlfühlmischung bestimmt sein vorherrschendes Temperament. Hinzu kommt sein erworbenes Temperament, das von der individuellen Reaktionsweise auf äussere und innere Reize beeinflusst wird. Man spricht auch von der Konstitution (Constitutio=Anordnung), die von der zugrunde liegenden Diathese (Reaktionsweise des Organismus auf niederschwellige Reize zu reagieren) der menschlichen Natur geprägt wird. Die Konstitution des Menschen bleibt ein Leben lang veränderlich und passt sich den jeweiligen Lebensrhythmen und Lebensumständen an.
Die vier Säfte sind den vier Elementen zugeordnet (Phlegma=Wasser, Sanguis=Luft, Gelbgalle=Feuer, Schwarzgalle=Erde) und verfügen über jeweils zwei der sogenannten Primärqualitäten (warm und kalt, feucht und trocken). Die Elemente urständen aus den Urkräften der Sonne (Feuer und Luft) und des Mondes (Wasser und Erde). Wenn alle Säfte in qualitativer und quantitativer Hinsicht im richtigen Verhältnis zueinanderstehen und fliessen können, dann spricht man von Eukrasie (Gesundheit).
